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zur Berufsausbildung nach Deutschland

10. 04. 2020, 10:53 JMD-Lars

Hallo, wir hier bei jmd4you werden immer wieder gefragt zur Berufsausbildung in Deutschland.


Viele von euch haben schon vom Fachkräfteeinwanderungsgesetz gehört, das seit 1. März 2020 gilt. Und da gibt es viele Fragen: Wie ist das jetzt für die Berufsausbildung geregelt? Was braucht man, damit man zur Ausbildung nach Deutschland kommen kann? Wie werden Ausbildungen bezahlt, kann man davon in Deutschland leben? Wie gut muss man Deutsch sprechen? Welche Zeugnisse muss man haben...


Durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat sich einiges verändert, auch für die Berufsausbildung.  Hier fehlen junge Leute in vielen Berufen, nicht nur in der Pflege von Alten und Kranken.


JMD-Lars vom Onlineteam hat hier einige  Informationen für dich.


Man kann zur Berufsausbildung nach Deutschland kommen und sogar zur Suche nach einem Ausbildungsplatz. Aber dafür musst du Voraussetzungen erfüllen. Hier eine kleine Liste für dich als Orientierung.


Hast du einen Schulabschluss in deinem Land?


Du sollst eine vollständige Schulausbildung aus deinem Land mitbringen


Hast du deutsche Sprachkenntnisse?


Um die Ausbildung erfolgreich abschließen zu können, brauchst du gute Deutschkenntnisse. Denn du musst in Deutschland den Beruf praktisch lernen, aber auch zur Berufs-Schule gehen. Deshalb wird für das Visum zur Berufsausbildung fast immer Deutsch B 1 verlangt, für bestimmte Bereiche wie Pflege auch B 2. Es gibt auch Sonderregelungen. Wenn du zur Suche nach einem Ausbildungsplatz nach Deutschland kommen willst, ist es strenger: Dann musst du immer Deutsch B 2 haben und du musst ein Zeugnis haben, mit dem du in deinem Land studieren kannst


Was für eine Ausbildung muss es in Deutschland sein?


Es muss eine qualifizierte Ausbildung sein. Die dauert mindestens 2 Jahre, meistens aber 3 oder 3 1/2 Jahre ). Eine anerkannte Ausbildung braucht immer einen Ausbildungsvertrag. Jeder Ausbildungsvertrag wird in Deutschland geprüft und genehmigt.


Was passiert, wenn du die Abschluss- Prüfung nicht schaffst?


Eine Verlängerung der Ausbildung, so bis zur nächsten Prüfung, ist möglich


Kannst du alle Berufe lernen?


Nein, es gibt bei der Berufsausbildung immer eine Vorrangprüfung. Was das heißt?


Du kannst nur Berufe lernen, für die es nicht genug junge Leute in Deutschland oder der EU gibt. Welche Berufe das sind?


Du weisst sicher, dass viele junge Leute für die Pflege gesucht werden, aber es gibt noch über 100 andere Berufe. Eine Orientierung gibt dir die Liste Mangelberufe. Die gilt jetzt nicht mehr, die letzte ist von September 2019. Aber sie gibt dir eine Orientierung, wo junge Leute zur Ausbildung gebraucht werden. Die Datei ist angehängt.


Hier auch ein Link:


https://www.thueringen-hilft.de/fileadmin/_migrated/news_uploads/positivliste_zuwanderung_in_ausbildungsberufe.pdf


Wie wird Ausbildung bezahlt?


Hier musst du aufpassen, denn es gibt schulische Ausbildungen (Berufsfachschule, Fachschule), für die bekommst du kein Geld, für manche musst du sogar bezahlen. Und du hast keinen Anspruch auf eine Förderung bei schulischen Ausbildungen. Deshalb werden manche Ausbildungen, vor allem in der Pflege meist so gut bezahlt, dass du davon in Deutschland leben kannst.


Bei den betrieblichen Ausbildungen (Handwerk, Handel, Industrie, Verkehr usw.) ist das anders. Da bekommst du Geld, die Ausbildungsvergütung. Wenn das nicht genug ist, kannst du ergänzend Berufsausbildungsbeihilfen bekommen. Das ist neu und eine große Hilfe. Denn dann hast du auf jeden Fall so viel Geld wie ein Student, eine Studentin auch.


Achtung: Wenn du zur Suche nach einem Ausbildungsplatz nach Deutschland kommen willst, geht das Visum für 6 Monate. Du musst dafür genug Geld zum Leben in Deutschland haben.


Kannst du nach der Ausbildung in Deutschland bleiben?


Oft kannst du bei deinem Ausbildungsbetrieb nach Abschluss der Ausbildung arbeiten. Nach der Ausbildung kannst du auch eine Aufenthaltserlaubnis für 1 Jahr bekommen, damit du einen Job, am besten in deinem gelernten Beruf, suchen und finden kannst. Du musst dafür nicht ausreisen und wiederkommen. Wenn du aber nach der Ausbildung in dein Land zurück willst, ist das auch kein Problem. Dann kannst du dein Wissen mitnehmen und in deinem Land arbeiten.


Dies ist nur eine Orientierung, besonders für junge Leute aus Drittstaaten, also außerhalb von Deutschland und EU. Du hast Fragen? Stelle hier deine Fragen oder komm zu uns  in die Online-Beratung.


 

Anhänge (1)
Positivliste dok_ba015465.pdf application/pdf 150,15 KiB 401 heruntergeladen
08. 11. 2020, 14:22 victoriia iakovleva

Guten Tag!


Gelten die gleiche Regelungen auch für das duale Studium? Also soll der Studiengang der sog. Positivliste entsprechen? Oder hängt es vom Arbeitgeber ab, bzw ob der Arbeitgeber mich haben möchte? Oder nehme ich sonst eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle von einem Deutschbürger weg? Musste der Arbeitgeber in dem Fall nachweisen müssen, warum Sie einen Studenten aus den Drittstaaten holen und nicht zb aus Deutschland oder EU? Falls es geht, würde denn das Studium auch bei einer privaten staatlich anerkannten Hochschule gehen oder musste das unbedingt eine staatliche Hochschule sein? Ich kann darüber leider keine Info im Internet finden.


Vielen Dank im Voraus!


victoria

17. 11. 2020, 12:13 JMD-Lars

Hallo Victoria


Du machst hier mit deinen Fragen auf einen wichtigen Unterschied aufmerksam. Ist das duale Studium nun eine betriebliche Berufsausbildung oder ist es ein Studium? Denn das macht einen großen Unterschied. Für ein Studium gelten andere Bedingungen als für die betriebliche Berufsausbildung


Ein duales Studium verbindet das Studium an einer (Dualen) Hochschule oder Berufsakademie


-         mit einer Berufsausbildung


-          oder auch nur mit längeren praktischen Phasen in Unternehmen.


Es gibt also 2 verschiedene Formen des dualen Studiums:


In einem ausbildungsintegrierten Studium studierst du ein bestimmtes Fach und machst parallel eine Berufsausbildung in einem Unternehmen. Nach bestandener Prüfung hast du gleich zwei Abschlüsse: Den Studienabschluss (meist: Bachelor) sowie einen anerkannten Abschluss in einem Ausbildungsberuf. Das ist Ausbildung und dafür gilt, dass das Visum nur für Berufsausbildungen gegeben wird, die Mangelberufe in Deutschland sind.


In einem praxisintegrierenden Studiengang ist das Studium an einer Hochschule eng mit praktischen Phasen in einem Unternehmen verbunden. Zwischen den Lehrveranstaltungen an der Hochschule und der praktischen Ausbildung besteht ein inhaltlicher Bezug. Am Ende hast du einen Studienabschluss und viel Praxiserfahrung. Das ist ein Studium mit den Bedingungen für Studenten.


Um ein duales Studium als Berufsausbildung beginnen zu können, musst du den Ausbildungs- oder Praktikumsvertrag mit dem jeweiligen Unternehmen vorweisen. Du kannst Firmen zum Beispiel bei AusbildungPlus recherchieren.


https://www.bibb.de/ausbildungplus/de/index.php


Informationen zum Dualen Studium findest du unter www.studienwahl.de.


Grüße JMD-Lars